Store Manager finden: warum die Stelle so lange offen bleibt
Viele Filialen suchen ihre Storeleitung seit Monaten. Woran das meistens liegt und welche Hebel im Fashion Retail tatsächlich etwas bewegen.
Fragt man HR-Verantwortliche im Fashion Retail, wie lange ihre Store-Manager-Stelle schon offen ist, kommt oft eine kurze Antwort:
„Schon Ewigkeiten.“
In diesem Fall war es ein gutes halbes Jahr, an einem kleineren Standort. Das ist kein Einzelfall. Eine Recruiterin im Headquarter einer großen Modemarke sagte uns über drei gleichzeitig offene Store-Manager-Stellen: Es würde sie freuen, aber auch sehr wundern, wenn eine davon in unter einem Monat besetzt wäre.
Warum ist gerade diese Rolle so schwer zu besetzen? Und was hilft?
Warum die Stelle offen bleibt
Die richtigen Leute suchen nicht aktiv
Gute Storeleitungen haben fast immer einen Job. Sie stehen auf der Fläche, führen ein Team und schauen selten in Jobbörsen. Wer nur eine Anzeige schaltet, erreicht vor allem die Menschen, die gerade aktiv suchen. Für Verkaufsstellen reicht das oft. Für Führungskräfte selten.
Eine Recruiterin fasste ihre Erfahrung mit einem großen Jobportal so zusammen:
„Quantität kommt rein, Qualität ist ein anderes Thema.“
Und konkret für die Führungsrolle: „Für die Shop-Manager-Suche ist es gar nichts.“
Kleine Marken und ländliche Standorte haben es schwerer
Ein Franchise-Partner mit fünf Standorten brachte es auf den Punkt: Unter dem eigenen Firmennamen kann kaum jemand etwas anfangen, die Marke im Schaufenster kennt dagegen jeder. Dazu kommt die Region. „Das sind starke Regionen. Und da gibt es wenig Arbeitslosigkeit.“
In einer Großstadt melden sich auf eine Anzeige mehr Menschen als im ländlichen Raum. Wer dort sucht, muss die passenden Leute aktiv ansprechen, statt zu warten.
Der Ruf des Standorts wirkt nach
Wenn ein Standort als Arbeitgeber einen schwierigen Ruf hat, spricht sich das herum. Eine HR-Leiterin beschrieb die Lage nach einem Wechsel des Franchisenehmers so: „Also das ist ein bisschen die Erde verbrannt.“ Ohne einen sichtbaren Neuanfang bleibt die Resonanz dann gering, egal wie gut die Anzeige ist.
Die Hürde zur Bewerbung ist zu hoch
Viele Menschen im Einzelhandel haben keinen aktuellen Lebenslauf griffbereit, und das Handy ist ihr wichtigstes Gerät. Ein vollständiges Bewerbungsformular mit Anschreiben verliert genau die Menschen, die nicht dringend wechseln wollen, aber offen für etwas Neues wären.
Was im Fashion Retail tatsächlich etwas bewegt
1. Dort sichtbar sein, wo die Menschen sind
Die meisten Storeleitungen, die offen für einen Wechsel sind, erreicht man nicht über Jobbörsen, sondern über die Kanäle, die sie ohnehin täglich nutzen. Anzeigen auf Instagram und Facebook lassen sich auf wenige Kilometer um den Standort eingrenzen. So sehen genau die Menschen die Stelle, die in der Nähe wohnen und bereits im Handel arbeiten.
2. Die Bewerbung in einer Minute möglich machen
Statt Lebenslauf und Anschreiben reichen am Anfang ein paar Fragen auf dem Handy: letzte Stationen, Führungserfahrung, Verfügbarkeit. Den Lebenslauf und das Gespräch gibt es danach. Eine HR-Leiterin wünschte sich genau das: drei letzte Stationen eintragen, ein Foto vom Handy hochladen, fertig.
3. Vorab klären, was wirklich zählt
Bevor ein Profil auf dem Tisch landet, sollten die harten Kriterien geklärt sein: Führungserfahrung, Arbeitszeiten, Gehaltsrahmen, Erreichbarkeit des Standorts. Das spart Gespräche, die nach fünf Minuten erledigt sind. Und es entlastet die Menschen, für die Recruiting ohnehin nur eine von vielen Aufgaben ist.
4. Das Suchprofil öffnen
Ideal ist Führungserfahrung im Modeeinzelhandel. Oft passt aber auch eine stellvertretende Storeleitung, die den nächsten Schritt machen will, oder jemand aus Gastronomie und Hotellerie, der Teams führen kann und Freude am Verkauf hat. Was eine Recruiterin über ihre Wunschbesetzung sagte, gilt für viele: Die Person muss „richtig Bock auf den Job“ haben und zur Marke passen.
5. Schnell reagieren
Wer auf der Fläche arbeitet, ist tagsüber selten am Telefon erreichbar. Eine kurze Nachricht per WhatsApp und ein Terminvorschlag am selben Tag halten das Interesse wach. Jeder Tag Wartezeit kostet bei wechselwilligen Führungskräften spürbar Rücklauf.
Woran Sie sehen, ob es funktioniert
Messen Sie nicht nur die Zahl der Bewerbungen, sondern die Zahl der Gespräche, die Sie tatsächlich führen wollen. Zehn passende Profile sind mehr wert als hundert, die nach dem ersten Blick aussortiert werden. Ein Verlauf über mehrere Wochen zeigt zudem, ob die Ansprache in Ihrer Region greift oder angepasst werden muss.
